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Beratungsprozess Honorarfinanz: Erst die Strategie, dann das Produkt
Viele Anleger stellen vor einer Finanzberatung eine naheliegende Frage:
„Welches Produkt ist das richtige für mich?“
Diese Frage ist verständlich.
Aber sie kommt häufig zu früh.
Denn bevor über Fonds, ETFs, Rentenversicherungen, Depots oder konkrete Anlageprodukte gesprochen wird, sollte eine viel wichtigere Frage beantwortet werden:
Was möchten Sie mit Ihrem Vermögen wirklich erreichen?
Genau hier beginnt der Unterschied zwischen einer produktorientierten Beratung und einem strategischen Honorar-Beratungsprozess.
Eine gute Finanzberatung beginnt nicht mit einem Produkt.
Sie beginnt mit einem Ziel, einer Analyse und einem nachvollziehbaren Plan.
Warum der Beratungsprozess wichtiger ist als das Produkt.
Viele Finanzentscheidungen wirken auf den ersten Blick wie Produktentscheidungen.
Soll ich einen ETF-Sparplan abschließen?
Ist eine fondsgebundene Rentenversicherung sinnvoll?
Soll ich einmalig investieren oder monatlich sparen?
Welches Depot passt zu mir?
Welche Rendite ist realistisch?
Doch hinter diesen Fragen stehen meist deutlich grundsätzlichere Themen:
- Welche Ziele sollen mit dem Vermögen erreicht werden?
- Welcher Zeitraum steht dafür zur Verfügung?
- Wie viel Risiko ist finanziell tragbar?
- Wie viel Risiko ist emotional tragbar?
- Welche bestehenden Anlagen und Verträge gibt es bereits?
- Welche Kosten entstehen offen oder versteckt?
- Wie passt die Geldanlage zur gesamten Lebens- und Finanzplanung?
Genau deshalb sollte ein professioneller Beratungsprozess nicht mit der Produktauswahl beginnen.
Sondern mit einem strukturierten Blick auf den Menschen, seine Ziele und seine Gesamtsituation.
Der Unterschied: Produktverkauf oder Beratungsprozess?
In einer eher produktorientierten Beratung steht häufig sehr früh eine konkrete Lösung im Mittelpunkt.
Typischerweise geht es dann schnell um:
- Anlagebetrag oder monatliche Sparrate
- mögliche Ablaufleistungen
- Renditechancen
- Produktvorteile gegenüber anderen Lösungen
- Abschluss eines Vertrags oder Depots
Das muss nicht automatisch schlecht sein.
Aber es wird problematisch, wenn die Strategie erst nachträglich um das Produkt herum gebaut wird.
Ein strategischer Honorar-Beratungsprozess geht anders vor.
Hier steht am Anfang nicht die Frage:
„Welches Produkt möchten Sie kaufen?“
Sondern:
„Welche finanzielle Struktur hilft Ihnen, Ihre Ziele realistisch zu erreichen?“
Das Produkt kommt erst am Ende des Prozesses.
Nicht am Anfang.
Schritt 1: Anfrage und erstes Kennenlernen
Der Prozess beginnt mit Ihrer Anfrage.
Im Anschluss wird ein kostenloses Erst- bzw. Kennenlerngespräch vereinbart.
Dieses Gespräch dauert in der Regel etwa 45 bis 60 Minuten.
Ziel dieses Gesprächs ist nicht der sofortige Abschluss.
Es geht zunächst darum, herauszufinden:
- Welche Ausgangssituation besteht?
- Welche Ziele und Erwartungen haben Sie?
- Welche Themen möchten Sie klären?
- Welchen Mehrwert erwarten Sie von einer Zusammenarbeit?
- Passt die Zusammenarbeit fachlich und menschlich?
Damit dieses Gespräch für beide Seiten sinnvoll genutzt werden kann, erhalten Interessenten im Vorfeld einen kurzen Fragebogen.
Darin geht es nicht nur um Zahlen.
Es geht auch um Werte, Ziele, Erwartungen und persönliche Prioritäten.
Denn gute Beratung beginnt nicht mit einem Depotbestand.
Sie beginnt mit dem Verständnis dafür, was Vermögen für Sie leisten soll.
Schritt 2: Gemeinsame Entscheidung über die Zusammenarbeit.
Nach dem Kennenlerngespräch entscheiden beide Seiten, ob eine Zusammenarbeit sinnvoll ist.
Das ist ein wichtiger Punkt.
Denn nicht jede Anfrage führt automatisch zu einem Beratungsmandat.
Und nicht jeder Beratungsbedarf erfordert automatisch eine umfassende Vermögensstrukturierung.
Manchmal reicht eine punktuelle Einordnung.
Manchmal ist eine ausführliche Strategie sinnvoll.
Und manchmal zeigt sich, dass zunächst andere finanzielle Themen geklärt werden sollten.
Wenn beide Seiten eine Zusammenarbeit für sinnvoll halten, wird der nächste Schritt vorbereitet: das Strategiegespräch.
Vor Beginn einer kostenpflichtigen Beratung erhält der Kunde ein schriftliches und verbindliches Angebot.
Darin werden der voraussichtliche zeitliche Aufwand, der Leistungsumfang und die Höhe des Honorars transparent dargestellt.
Das Honorar ist vor Auftragserteilung bekannt.
Gerade dieser Punkt ist ein wesentlicher Unterschied zur scheinbar kostenlosen Beratung. Denn auch dort entstehen Kosten – nur häufig indirekt über Produktkosten, Provisionen oder laufende Vergütungen.
Schritt 3: Planen – Ziele, Risiko und Strategie klären.
Im nächsten Schritt beginnt die eigentliche Beratungsarbeit.
Hier geht es um Planung.
Je nach Bedarf kann das verschiedene Themen umfassen:
- Altersvorsorge
- Geldanlage
- bestehende Depots
- Einmalanlagen
- Sparpläne
- Vermögensstruktur
- Entnahmeplanung
- langfristiger Vermögensaufbau
- familiäre oder steuerliche Rahmenbedingungen
Ein zentraler Bestandteil ist das Interview zum Risikoprofil.
Dabei geht es nicht nur darum, wie stark ein Depot schwanken darf.
Es geht vielmehr um die Frage:
Welche Anlagestruktur passt wirklich zu Ihrer finanziellen Situation, Ihrer Risikobereitschaft und Ihrem Anlagehorizont?
Auf dieser Grundlage wird die Strategie entwickelt.
Erst wenn klar ist, welche Ziele verfolgt werden und welches Risiko sinnvoll tragbar ist, beginnt die Frage nach der konkreten Umsetzung.
Schritt 4: Ausarbeiten – vom Ziel zum Anlagekonzept
Nach der Analyse folgt die Ausarbeitung des Anlagekonzepts.
Hier wird aus den Informationen des Kunden eine konkrete Struktur entwickelt.
Dabei geht es unter anderem um:
- die passende Aufteilung der Anlageklassen
- die Risikostruktur des Portfolios
- den Anlagehorizont
- die Liquiditätsplanung
- die Kostenstruktur
- die Auswahl geeigneter Anlageinstrumente
- die Frage, ob bestehende Anlagen integriert, angepasst oder ersetzt werden sollten
Wichtig ist:
Die Produktauswahl folgt der Strategie – nicht umgekehrt.
Das bedeutet: Ein Produkt ist nicht deshalb gut, weil es gut klingt oder häufig verkauft wird.
Es ist nur dann geeignet, wenn es zur Strategie, zum Ziel und zur Situation des Kunden passt.
Dabei wird nicht versucht, kurzfristige Marktprognosen in den Mittelpunkt zu stellen.
Stattdessen geht es um einen robusten, nachvollziehbaren und langfristig tragfähigen Aufbau.
Schritt 5: Beraten – Konzept vorstellen und Fragen klären.
Im nächsten Schritt wird das entwickelte Anlagekonzept vorgestellt.
Hier steht nicht die Unterschrift im Mittelpunkt.
Sondern das Verständnis.
Der Kunde soll nachvollziehen können:
- warum diese Strategie vorgeschlagen wird
- welche Chancen damit verbunden sind
- welche Risiken bestehen
- welche Kosten entstehen
- welche Umsetzungsmöglichkeiten sinnvoll sind
- welche Rolle bestehende Anlagen spielen
Dieser Schritt ist entscheidend.
Denn eine gute finanzielle Entscheidung sollte nicht aus Druck entstehen.
Sie sollte verstanden werden.
Gerade bei größeren Vermögen, komplexeren Familienstrukturen oder langfristigen Altersvorsorgeentscheidungen ist dieser Punkt besonders wichtig.
Denn es geht nicht nur darum, etwas zu investieren.
Es geht darum, eine Entscheidung zu treffen, die auch in schwierigen Marktphasen nachvollziehbar bleibt.
Schritt 6: Umsetzen – nur, wenn die Maßnahme sinnvoll ist.
Nach der Beratung folgt die mögliche Umsetzung.
Diese kann unterschiedlich aussehen.
Manche Kunden möchten das Konzept eigenständig umsetzen.
Andere wünschen eine Begleitung bei der Depoteröffnung, der Orderausführung oder der technischen Umsetzung.
Beides kann sinnvoll sein.
Entscheidend ist, dass die Umsetzung zur vereinbarten Zusammenarbeit passt.
Mögliche Bestandteile der Umsetzung sind:
- Depoteröffnung
- Auswahl der passenden Plattform oder Verwahrstelle
- Orderausführung
- Übertragung bestehender Anlagen
- Dokumentation
- Einrichtung eines Betreuungskonzepts
Wichtig ist aber:
Eine Umsetzung ist kein Selbstzweck.
Manchmal kann auch eine gute Empfehlung lauten:
- bestehende Anlagen zunächst beibehalten
- Kosten reduzieren
- Risiken abbauen
- Sparraten anpassen
- Liquidität sichern
- zunächst keine neue Anlageentscheidung treffen
Auch das kann gute Beratung sein.
Schritt 7: Betreuen – über Lebensphasen und Marktphasen hinweg.
Vermögen ist nicht statisch.
Lebenssituationen verändern sich.
Märkte verändern sich.
Ziele verändern sich.
Deshalb endet ein guter Beratungsprozess nicht zwingend mit der Umsetzung.
Auf Wunsch kann eine laufende Betreuung sinnvoll sein.
Dabei geht es nicht darum, ständig neue Produkte zu verkaufen.
Sondern darum, die Strategie regelmäßig zu überprüfen:
- Passt die Struktur noch zu den Zielen?
- Hat sich die Risikobereitschaft verändert?
- Gibt es neue Lebensereignisse?
- Sind Anpassungen in der Altersvorsorge erforderlich?
- Muss Liquidität neu geplant werden?
- Gibt es steuerliche oder familiäre Veränderungen?
- Entspricht das Portfolio noch der ursprünglichen Strategie?
Das Ziel ist nicht Aktivität um der Aktivität willen.
Das Ziel ist Orientierung.
Gerade in turbulenten Marktphasen kann eine strukturierte Begleitung helfen, nicht aus kurzfristiger Unsicherheit heraus langfristig falsche Entscheidungen zu treffen.
Warum Transparenz im Honorar-Beratungsprozess so wichtig ist
Ein zentraler Unterschied der Honorarberatung liegt in der Vergütung.
Das Honorar wird vorab transparent vereinbart.
Der Kunde weiß also vor Auftragserteilung, welche Kosten für die Beratung entstehen und welche Leistung dafür erbracht wird.
Das schafft Klarheit.
Und es reduziert Interessenkonflikte.
Denn der wirtschaftliche Schwerpunkt liegt nicht auf dem Verkauf eines bestimmten Produkts, sondern auf der Beratungsleistung.
Das bedeutet nicht, dass jede provisionsbasierte Beratung automatisch schlecht ist.
Und es bedeutet auch nicht, dass jede Honorarberatung automatisch gut ist.
Entscheidend ist der Prozess.
Beginnt die Beratung wirklich beim Kunden?
Oder steht sehr früh ein konkretes Produkt im Mittelpunkt?
Diese Frage sollten Anleger immer stellen.
Die wichtigste Entscheidungshilfe für Anleger.
Nach einem Finanzberatungsgespräch sollten Sie sich fünf einfache Fragen stellen:
- Habe ich verstanden, wie der Berater vergütet wird?
- Wurde zuerst über meine Ziele gesprochen – oder zuerst über Produkte?
- Wurden bestehende Anlagen, Kosten und Risiken wirklich analysiert?
- Hatte ich ausreichend Zeit, die Empfehlung in Ruhe zu prüfen?
- Würde die Empfehlung auch Sinn ergeben, wenn kein neues Produkt abgeschlossen wird?
Wenn Sie bei mehreren Fragen unsicher sind, lohnt sich ein zweiter Blick.
Denn gute Finanzberatung erkennt man nicht am Produkt.
Man erkennt sie am Prozess, der zu diesem Produkt geführt hat.
Fazit: Gute Beratung beginnt mit dem Ziel – nicht mit dem Produkt.
Ein professioneller Honorar-Beratungsprozess folgt einer klaren Reihenfolge:
Kennenlernen.
Verstehen.
Planen.
Ausarbeiten.
Beraten.
Umsetzen.
Betreuen.
Erst werden Ziele, Werte, Risiken, Kosten und bestehende Strukturen analysiert.
Dann wird eine Strategie entwickelt.
Und erst danach stellt sich die Frage, welche konkreten Lösungen geeignet sind.
Das ist aus meiner Sicht der entscheidende Unterschied.
Denn bei einer produktorientierten Beratung steht häufig am Anfang eine Lösung, für die eine Begründung gesucht wird.
Bei einer strategischen Honorarberatung steht am Anfang ein Ziel, für das eine passende Lösung entwickelt wird.
Gute Finanzberatung beginnt nicht mit der Frage:
„Wie viel möchten Sie anlegen?“
Sondern mit der Frage:
„Was möchten Sie mit Ihrem Vermögen wirklich erreichen?“
Wenn Sie wissen möchten, ob ein strukturierter Honorar-Beratungsprozess auch für Ihre Situation sinnvoll ist, können Sie gerne ein unverbindliches Kennenlerngespräch vereinbaren.
Dabei klären wir gemeinsam, welche Fragen für Ihre Vermögensstruktur, Altersvorsorge oder Geldanlage wirklich relevant sind – und ob eine Zusammenarbeit sinnvoll ist.
